Unter Eis

by Noë

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    Artwork: Britta Kussin // www.britta-kussin.de

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1.
In meinem Morgenkaffee landen Fliegen Und sie schwimmen auch dabei Man sagt die Schleusenwärter streiken heute Werd sie besuchen, hab ja frei Ich pump mein Schlauchboot auf und ruder die Spree stromab Werden mir die Arme lahm Laß ich mich treiben Irgendwann komm ich schon an Auf meinem Weg zur Schleuse treff ich So manch andren Kahn Einige genießen, andere hetzen Welcher Fraktion gehöre ich an? Laß ich sie ziehen oder zieh ich vorbei? Ich laß mich treiben! Irgendwann komm ich schon an Ein Wind kommt auf und schiebt mich vorwärts Ich hol die Ruder ein Ein Regenschirm dient mir als Segel Ich werd wohl bald in HH sein Von da aus weiter nach Cuxhaven Vorbei an Glückstadt und Krautsand Ich kann das Meer schon förmlich riechen Irgendwann komm ich schon an Der Wind wird stärker Ich drohe zu kentern Drum werf ich meinen Anker aus Doch der kriegt den Grund nicht zu fassen Ich treibe weiter aufs Meer hinaus Allein in einem Schlauchboot Mit nem Regenschirm als Segel Mit nem Anker der den Grund nicht findet Treibe ich aufs Meer hinaus Die Wellen werden höher und höher... Ich kann kein Land mehr sehen Die Sonne geht unter, ein Sturm kommt auf Irgendwann komm ich schon an Treib durch die Zeit in einem Schlauchboot über den Ozean
2.
Bergschiff 02:57
Auf einem Berg irgendwo lebt jemand, der wär froh wenn er mal wieder kommt ans Meer Höhenluft macht Gedanken schwer Ans Meer, ans Meer mit einem Schiff Jemand fängt an zu bauen damit er rechtzeitig fertig ist Aus deinen Dielen hobel Planken Ein Tischtuch kann Segel sein Aus Fensterkreuzen bau das Steuer Jemand hobelt, Jemand sägt Jemand fügt zusammen, was nicht zusammengeht Jemand fängt von vorne an. Jemand gibt nicht auf Das Schiff muß fertig werden - Stapellauf EinTag, ein Monat, ein Jahr Der Kahn nimmt Form an Doch Jemand wird klar Um sein Schiff ins Wasser zu lassen muß es ans Meer Doch wie soll er das nur schaffen Aus deinen Dielen hobel Planken Ein Tischtuch kann Segel sein Aus Fensterkreuzen baue Steuer
3.
Auf weichen Matratzen Bruchlandungen üben Auf Miniaturtatstaturen schreiben wir uns frei Vögel fliegen nicht in den Süden Räumkolonnen halten die Stadt schneefrei Nimm ein Stück vom Pustekuchen Dein Plakat wurde zehn mal überklebt Rollatoren ziehen Rentner über Straßen Hunde dösen auf dem Weg Glücksritter jagen auf taumelnden Pferden Sonderangebote im Schlußverkauf Presslufthämmer singen Wie schön kann Beton klingen Es kreischen die Kassen Alles muß raus Es rufen die Räder in den engen Kurven Du schreibst im Dunkeln Parolen an die Wand Straßenbahnen fahren Wendeschleifen In den Vororten bleibst du unerkannt Und jeder Stein kann ein Gebirge sein Jede Pfütze ein Meer Jedes Glas halb leer Und jeder Raum ein Ort von dem du fort, fort willst Jede Straße eine Sackgasse und das schönste Gesicht eine grinsende Grimasse
4.
Der Regen fällt aufs Sonnendach Es hält ihn nicht auf Es ist dafür nicht gemacht Du stehst drunter, wunderst dich So gründlich naß geworden bist du schon lange nicht Naß stehen bleiben oder naß weitergehen Ist die Frage die sich stellt Wenn man im Regen steht Und du entscheidest dich Fürs stehenbleiben Denn naß bist du eh schon Und das ist sicherlich Nicht die schlechteste Entscheidung die du heute gefällt hast Es ist Sommer in Berlin Der Regen fällt stundenlang Wenn du zum Himmel schaust wird dir ganz bang Nur Verrückte springen jetzt noch freiwillig draußen rum Du hättest gern was warmes zum anziehen, ein Paar trockene Schuh Die Frage die noch zu klären wär auch verrückt sein oder weiter machen wie bisher Und du entscheidest dich Fürs stehenbleiben Denn naß bist du eh schon Und das ist sicherlich Nicht die schlechteste Entscheidung die du heute gefällt hast Es ist Sommer in Berlin Und all die andern Nassen warten auch unter ihren Dächern Das der Regen sich verzieht uUnd das ist sicherlich nicht die schlechteste Entscheidung Die sie heute gefällt haben Es ist Sommer in Berlin Das Sonnendach hängt zerfetzt Wasser steht dir bis zum Knie langsam zweifelst du an deiner Strategie Auch werden ab und an Passanten angetrieben Regenschirme treiben durch die Straßen
5.
Leg dich an die Wand Hörst du den Wind heulen Genieß das du sicher liegst Draußen fallen die Bäume Ich such deine Hand Bekomm sie nicht zu fassen Liegst du noch bei mir Hast du mich längst verlassen Winde wehen Dampfer drehen Ihre Runden Ich bin draußen Am Ufer, steh ich Seh dir nach Dreh dich nicht um Fahr Platte springt Nadel bricht Die Musik läuft weiter Ohne Strom Kein Licht Dunkelheit ist dein Begleiter Winde wehen Dampfer drehen Ihre Runden Ich bin draußen Am Ufer, steh ich Seh dir nach Dreh dich nicht um Fahr
6.
7.
Mit einer Stippe im Boot weitab vom Hafen Zieh ich die Würmer aus dem Holz, auf den Haken Mein Körper brennt, die Fische schlafen Der große Fang läßt heute auf sich warten Das Wasser teilt sich, es winken Meerjungfrauen Komm zu uns, komm tauchen Sie sehen gut aus, soll ich vertrauen Ich spring ab - Tief ins Blaue Wir trinken aus leeren Flaschen Den allerbesten Wein Ziehen durch des Netzes Maschen Die Fische, groß und klein Wir entzünden riesige Feuer Am Meeresgrund Küssen Seeungeheuer Zu früh Luft holen ist ungesund Ich tauch nicht auf Bleib im Rausch Bleib im Moment Bleib im Ungewiß Bleib im Dunkeln Bleib am Grund Bleib da wo die Zeit erlischt Seh kein Ufer, keinen Himmel Seh nur Wasser seh nur weites Meeres Und ein Fisch weißt mir den Weg Und ich tauche solange es geht
8.
Zu Heiß 03:54
In Kleingartenkolonien und Hinterhöfen steht die Luft In Eisdielen und Blumenläden stehen die Leute ohne sich zu bewegen In den Bechern schmilzt das Eis Blumen welken Die Hitze legt alles lahm Auch Tulpen und Nelken Ich wär gern ein Hai Mit spitzen Zähnen Jagte ich am Meeresgrund Kleine Fische und Hyänen Die vor Hitze ins Wasser gesprungen sind Muscheln und Quallen sind mir die liebste Gesellschaft von allen Kühl, feucht, ruhig, dunkel, angenehm Träge liegen Hunde auf den Straßen Kein Verkehr Keine Passanten Kein Laut Dringt an mein Ohr Alles schluckt die Hitze Nichts ist wie zuvor Der Asphalt schmilzt Worauf sollen wir laufen? Schatten fehlt Hitze dringt in die letzten Löcher Es ist viel zu heiß In Supermärkten und Freibädern Auf Ausflugsdampfern und Riesenrädern In Spätverkäufen und Notaufnahmen Auf Abstellgleisen in Straßenbahnen In Lichtspielhäusern Feuerwehrwachen, Zeitungsredaktionen In Sommersachen Auf Parkanlagen Fernverkehrsstraßen In Eisdielen und Blumenläden Es ist zu heiß, viel zu heiß
9.
Ich flog mit einem Luftballon ziemlich weit Ich flog auch hoch - das war schön Ein weißer Hamster begleitete mich Wir haben die Welt von oben gesehen Wir flogen über Berge – über Täler auch Ich sehe was, was du nicht siehst Haben wir gespielt, die meiste Zeit Wir haben die Welt von oben gesehen Die Nacht war kalt – ich hab gefroren Ein Hamster gibt nicht viel Wärme ab Als ich einschlief, hätt ich ihn beinah verloren Die Sonne schien erbarmungslos am nächsten Tag Wir waren ihr sehr nah Unser Luftballon gab langsam nach Letztendlich stürzten wir ab Im freien Fall war alles doppelt so schön Wir hielten uns sehr fest umarmt Ich sah die Erde kommen Auf Wiedersehen Wir haben die Welt von oben gesehen
10.
Unter Eis 04:33
Wir haben es uns bequem gemacht In Höhlen unter Eis Ist es Tag Ist es Nacht Unsere Öfen glühen Oben toben Schneestürme Hier merkt man nichts Solange man uns gut versorgt Bleiben wir 20 m dickes Eis Wer schaut hindurch Ist es Tag Ist es Nacht Unsere Öfen glühen Oben toben Schneestürme Hier merkt man nichts Solange man uns gut versorgt Bleiben wir

about

Herbst 2015. Nachdem Noë nach ihrem Debüt „Ping Pong“ für eine gefühlte Ewigkeit abtauchten, sind sie nun mit „Unter Eis“ zurück:

Die Band nahm sich ausreichend Zeit, um das Album zusammen mit Sven Ihlenfeld zu produzieren. Kontrabass, Gitarre, Schlagzeug, Bläser und Gesang wurden nicht wie beim Vorgänger in wenigen Tagen live eingespielt, sondern in mehreren Studiosessions aufgenommen. Die Arrangements der zehn Songs betonen die poetisch abstrakten Texte von Stephan Noë auf so unterschiedliche Weise, dass eine konkrete stilistische Einordnung schwer fällt. Assoziationen spielen beim gesamtenkreativen Prozess eine große Rolle. Texte wie Kompositionen entstehen in produktiver Wechselwirkung miteinander.

Während „Sommer in Berlin“ durch seinen eingängigen Refrain schon fast am Mainstream kratzt und der Band zu Airplays bei Radio Fritz und einem Fernsehauftritt im RBB-Sommergarten verhalf, bringt der Titelsong des Albums ganz andere Saiten zum schwingen. Atmosphärisch ruhig beginnend, sich zu Gitarrenwänden und sich frei spielenden Bläsern hin steigernd, wird in „Unter Eis“ eine zurückgezogene, von den sie umgebenden Geschehen unberührte, erstarrte Gesellschaft beschrieben. Auszug: „Wir haben es uns bequem gemacht in Höhlen unter Eis“. Oder sind es vielleicht doch die Musiker selbst, welche beschützt durch eine dicke Eisschicht,
entrückt von der sich immer hastiger drehenden, nach schnellen Ergebnissen rufenden Außenwelt in aller Ruhe an ihrem Album werkeln? Das klingt nach Weltflucht, ist aber vielleicht auch nur eine selbst gewählte Form der Entschleunigung.
Ein weiteres Thema ist die Behauptung gegen äußere Widerstände im Leben, die es zu überwinden gilt („Bergschiff“).

Sehr persönlich klingt der Song „Daumenklavier“. Drumcomputer, Klarinette und Kalimba
erweitern hier den Bandsound und geben dem Song, der die Zweifel einer sich auflösenden
Beziehung thematisiert, eine positive, aber dennoch melancholische Färbung.
In den Songs „Zu Heiß“und „Miniaturtastatur“ blitzt die Offbeat und Reggaevergangenheit der Band durch. Wie für Noë-Songs typisch, wird sich hier aber nicht an der Kopie eines Originals abgearbeitet, sondern durch hinzufügen von weiteren Stilistiken eine eigene Klangwelt erschaffen.

In „Schleusenwärter“ geht Noë spontan mit einem Schlauchboot auf die Reise. Von der Spree über die Elbe treibt das Boot ins Meer. Ein Song mit einer eingängige Melodie, der aber subtil seine Eigenständigkeit gegenüber dem Mainstream bewahrt. Die Band kommt mit den neuen Songs durchaus Pop sehr nah, durch ausgefallene Arrangements und die lyrischen Texte heben sie sich aber von der Vielzahl aktueller deutschsprachiger Projekte angenehm ab.

Links:
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www.facebook.com/noeberlin
noeberlin.bandcamp.com
www.instagram.com/noeberlin

Unter Eis spielten ein:
Saxophon: Anna Tsombanis, Max Thum
Posaune, Melodika, Moog, Gesang: Stefan Meinking
Schlagzeug: Puya Shoary
Kontrabass: Michael Büning
Gesang, Gitarre: Stephan Noë
Kalimba, Gesang: Sophia Exiner
Klarinette: Thomas Prestin
Synthesizer: Sven Ihlenfeld
Cello: Isabelle Klemt
Bratsche: Katrin Mikiewicz
Geige: Sahra Piorkowsky, Raphael Armin

credits

released November 27, 2015

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Noë Berlin, Germany

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